Landgericht Mosbach

Das Landgericht Mosbach kann als Standort für den Vorbereitungsdienst der Rechtsreferendare ziemlich kurz zusammengefasst werden: Lernen und Arbeiten in einer kleinen Gruppe und angenehmer, fast schon familiärer Atmosphäre.

Der Juristische Vorbereitungsdienst in Mosbach

Obwohl auch das Referendariat in Mosbach, wie alles im Leben, für manche ein paar Nachteile mit sich bringt, bleibt unter dem Strich zu sagen: uneingeschränkt empfehlenswert.

Für alle, die es jetzt aber noch etwas genauer wissen wollen, haben wir nachfolgend einige Details und auch Fotos über die Stadt Mosbach, das Landgericht Mosbach und dann das Wichtigste, das Referendariat in Mosbach zusammengetragen. Zum Abschluss gibt es dann noch einige Internetadressen für alle, die noch mehr wissen wollen.

Die Stadt Mosbach

Mosbach ist als große Kreisstadt mit seinen ca. 25.200 Einwohnern nicht nur das Verwaltungszentrum des Neckar-Odenwald-Kreises (Sitz des Landratsamtes), sondern auch eines der beiden Zentren des Landkreises (das zweite, kleinere, ist die Stadt Buchen).

Die Stadt Mosbach liegt im Südwesten des Neckar-Odenwald-Kreises an der Mündung der Elz in den Neckar und ist für ihren historischen Stadtkerns mit vielen Fachwerkhäusern bekannt.

Daneben wird das Stadtbild von der Berufsakademie und ihren Studenten geprägt.

Mosbach bietet alles, was Referendare zum Leben so brauchen:

  • gute Einkaufsmöglichkeiten (neben einem gut sortierten Einzelhandel und den klassischen Discountern, z.T. sogar mit mehreren Filialen, finden sich auch Kaufland, Mediamarkt, Hornbach und C&A)
  • diverse Kneipen und Lokale, ein Kino und auch einen größeren Musikclub/Disco

Daneben ist natürlich die schöne landschaftliche Lage nicht zu vergessen, die vor allem im Sommer zu Radtouren, Joggen oder Spaziergängen in den umliegenden Wäldern oder entlang der Rad-Wanderwege an der Elz oder durch den Odenwald oder zum Verweilen im zentral gelegenen Stadtpark einlädt.

Sportlich Interessierte finden außerdem ein breites Angebot an Sporteinrichtungen und Vereinen, die so ziemlich jede nur denkbare Sportart möglich machen. Insbesondere gibt es ein Hallen- und ein Freibad.

Die Verkehrsanbindung ist in alle Richtungen gut: mit dem Auto durch die Autobahnanschlussstellen Sinsheim, Osterburken und Heilbronn, mit der Bahn durch den Anschluss an den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (meist Halb-Stunden-Takt) und damit an die Fernbahnhöfe Heidelberg, Mannheim und über Osterburken, Würzburg.

Erreichbar ist Mosbach zeitlich gesehen

  • von Heilbronn mit Auto oder Bahn in jeweils ca. 45 Minuten
  • von Heidelberg mit Auto oder bahn in jeweils ca. 60 Minuten
  • von Mannheim mit dem Auto in ca. 75 Minuten, mit der Bahn in ca. 80 Minuten
  • von Karlsruhe mit dem Auto in ca. 75 Minuten, mit der Bahn in ca. 110 Minuten
  • von Stuttgart mit dem Auto in ca. 80 Minuten, mit der Bahn in ca. 115 Minuten

Das Landgericht Mosbach

Liegt etwa 500 Meter Fußweg vom Bahnhof entfernt. Dabei führt der Weg mitten durch die Altstadt.

Das LG ist zusammen mit dem AG Mosbach in einem alten Franziskanerkloster aus dem 17. Jh. untergebracht, das seit Mitte des 19. Jh von der Justiz genutzt wird.

  • Vorderansicht des Hauptgebäudes des LG/AG Mosbach
  • Haupteingang des Hauptgebäudes des LG/AG Mosbach
  • Innenhof

Der Zuständigkeitsbereich des LG Mosbach erstreckt sich auf ein Gebiet von rund 2.000 km², in dem ca. 240.500 Menschen wohnen.

Das Referendariat in Mosbach

Da es sich bei Mosbach um eines der kleineren Landgerichte handelt, sind auch die Arbeitsgemeinschaften meist nicht sehr groß (ca. 12 - 14 Teilnehmer).

Dadurch ist der Kontakt zu den Ausbildern sehr gut und der Unterricht intensiv.

Neben dem Unterricht gibt es einen allgemeinen Klausurenkurs zur Examensvorbereitung und es werden noch weitere Veranstaltungen angeboten bzw. vorgeschlagen, so z.B. Trinkversuch, Rhetorikseminar oder Besuch der JVA Adelsheim.

Besonders zu erwähnen ist der Referendarskaffe während des Einführungslehrgangs in der Zivilstation, bei dem sich die neuen Referendare mit denen der vorhergehenden AG treffen. Dort ist dann Raum zum Kennenlernen, für persönliche Gespräche, Fragen und Tipps für das weitere Referendariat.

Aufgrund der geringen Zahl an Referendaren können ansonsten in der Zivilstation Zuteilungswünsche meist berücksichtigt werden und die meisten kommen auch in Mosbach unter.

Die Qualität der Ausbilder ist, wie überall, vom Einzelfall abhängig. Generell kann man aber sagen, dass sich alle sehr viel Mühe geben.

Die Strafstation findet in aller Regel bei der Staatsanwaltschaft Mosbach (50 Meter vom Gericht) statt. Dort ist die Größe des Gerichtsbezirks ein gewisser Nachteil, weil man im Rahmen des Sitzungsdienstes auch die weiter entfernten Amtsgerichte bedienen darf. Dorthin fährt dann aber meistens ein Dienstwagen oder man bekommt die Fahrtkosten erstattet.

Für die Anwaltsstation finden sich genügend ausbildungsbereite Kanzleien im Raum Mosbach und für die Verwaltungsstation gibt es neben den Städten Mosbach und Buchen auch noch das Landratsamt, die ausbilden.

Erfahrungsberichte

Jérôme K.

Als ich die Mitteilung bekam, dass ich mein Referendariat am Landgericht Mosbach absolvieren sollte, war ich zunächst nicht sonderlich erfreut, hatte ich mich doch für andere Landgerichte beworben. Meine Zweifel und Unzufriedenheit mit dieser Entscheidung lösten sich aber bereits am ersten Tag in Mosbach in Nichts auf und wandelten sich im Laufe des Referendariats sogar in helle Begeisterung. Ich würde jederzeit wieder das Referendariat am Landgericht Mosbach absolvieren! Sogar die langen Anfahrtswege aus Heidelberg mit der S-Bahn durch das Neckartal sind mittlerweile schöne Erinnerungen.

Wie kam es zu diesem Sinneswandel? Am Landgericht Mosbach herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Nicht nur ist der generelle Umgangston weitaus familiärer, als dies an den großen Landgerichten überhaupt der Fall sein kann, es sind auch die vielen jungen Richter und Staatsanwälte, die mit großem Einsatz und Begeisterung die Referendarausbildung unter Aufsicht von Ausbildungsleiterin Frau Dr. Scheuble durchführen. Zusätzlich profitiert man in den AGs natürlich auch von der praktischen Erfahrung der älteren Richter. Die Mischung ist meiner Meinung nach nahezu perfekt.

Zudem erhielten wir in allen AGs umfangreiches Skriptenmaterial, Examensfälle, Lösungen etc., was keine Selbstverständlichkeit ist, wenn man sich mal an anderen Landgerichten umhört. Gerade zum Ende des Referendariats hin zeigte sich das besondere Engagement der Ausbilder z.B. in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung. Jederzeit wussten wir, dass unsere Ausbilder ein offenes Ohr für unsere Fragen und Probleme haben würden, was vielfach auch außerhalb des Unterrichts genutzt wurde.
Da es in Mosbach nur eine AG pro Examenstermin gibt, ist man als Referendar hier in der Tat etwas Besonderes. Das zeigt sich nicht nur in den einzelnen Stationen, sondern auch bei den zusätzlichen Aktivitäten wie dem Besuch bei der Polizei etc. Die Gruppe ist überschaubar, was den Zusammenhalt stärkt. Dazu tragen auch die zwangsläufigen Zugfahrten bei. Nicht zuletzt ist das Fachwerkstädtchen Mosbach aber auch ein äußerst schöner Ort abseits des Trubels der größeren Städte. Spätestens bei den Sitzungsvertretungen für die Staatsanwaltschaft hat man Gelegenheit, den südlichen Rand des Odenwalds zu erkunden, am besten im Dienst-BMW mit Justizwachtmeister Pani am Steuer ...

Zusammenfassend sprechen also für Mosbach die hervorragende fachliche Ausbildung, die besondere Atmosphäre am Landgericht und die Schönheit von Mosbach und Umgebung, die nicht umsonst beliebtes Ausflugziel sind.

Daher: Ein echter Geheimtipp!

Michael H.

Mosbach? Wo liegt eigentlich Mosbach? So fragten sich die meisten aus meiner Referendars-AG, die zusammen mit mir 2007 Bescheid bekamen, dass sie diesem kleinen Landgericht zugeteilt seien. Zugegeben, Mosbach ist keine Großstadt. Auch ein Landgericht, die Berufsakademie, Mc Donald's- und Burger King-Filialen machen aus einer 27.000-Seelen-Stadt kein internationales Pflaster. Ich selbst war einer von drei Freiwilligen, die sich ganz gezielt für dieses Gericht beworben hatten.
Wir sollten unsere Wahl nicht bereuen. Auch die zwangsweise Abgeordneten änderten ihre ursprüngliche Einstellung ziemlich rasch. Zunächst einmal liegt Mosbach doch nicht so in der "Pampa" wie von vielen zunächst angenommen. Die Zuganbindung gerade nach Heidelberg und Mannheim ist gut. Vormittags gehen Züge halbstündlich, nachmittags stündlich. Die Fahrtzeit liegt je nach Verbindung bei 45 Minuten bis knapp unter einer Stunde, so dass auch Pendler zurechtkamen. Auch die einschlägigen Repetitorien in Heidelberg konnten besucht werden.

Dafür sorgte auch die Tatsache, dass unsere Ausbilder generell Rücksicht auf die Bahnreisenden nahmen und die Unterrichtszeiten so legten, dass man auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln rechtzeitig ankam und auch nach der AG nicht ewig lang auf den nächsten Zug warten musste.

Sich um die Referendare gut zu kümmern war generell das Bestreben am LG. Nicht nur unsere Ausbildungsleiterin kümmerte sich in freundlicher und unkomplizierter Weise mit großem Zeitaufwand um "ihre" AG, sondern auch die anderen Richter und der Stab des Landgerichts waren im Bedarfsfall schnell erreichbar und konnten umfassend weiterhelfen. Hier äußert sich die kleine Zahl der Referendare - mit mir fingen gerade einmal 14 weitere an - in positiver Weise: Es findet keine Massenabfertigung statt, sondern man nimmt sich Zeit für die einzelnen Anliegen. Es gibt keine straffen Sprechzeiten, an die man sich peinlich genau halten muss. Bürokratie wird am LG Mosbach im Gegensatz zu anderen, größeren Landgerichten kleingeschrieben. Der Erfahrungsaustausch mit Referendaren anderer Landgerichte zeigt, dass man dort in weit größerem Maße auf sich allein gestellt ist und sich um alles selbst kümmern muss, während man hier eher "an die Hand genommen" wird, was einem den Einstieg doch sehr erleichtert.

Dies schafft ein angenehmes Klima: Man merkt, dass die ständig dort Beschäftigten gut miteinander auskommen und einen natürlichen Umgangston pflegen, auch gegenüber Referendaren. Standesdünkel sucht man hier vergebens.

Ein Umstand, der alle Referendare ärgert, ist die Tatsache, dass das Land verbietet, die offiziellen Lösungsskizzen der neueren Examensklausuren herauszugeben. Vielerorts werden dann entweder alte Klausuren besprochen, und man bekommt die - in den meisten Fällen ohnehin untauglichen, da viel zu knappen - offiziellen Lösungsskizzen. Oder es gibt nur eine mündliche Besprechung, aber nichts Schriftliches für die Nachbereitung zu Hause. Bei uns wurden von den die Klausuren jeweils stellenden Richtern in den meisten Fällen eigene Lösungsskizzen erstellt, die sehr hilfreich waren.

Die kleine Zahl der Referendare machte sich auch beim schriftlichen Teil des Staatsexamens bemerkbar: Man sitzt nicht in einem überfüllten Saal, in dem ständig eine nicht zu unterschätzende Geräuschkulisse herrscht, sondern zu fünfzehnt in einem Raum mit genügend Platz und dem Klostergarten nebenan statt der Großbaustelle.
Auch kamen so durchaus einige gemeinsame Aktivitäten zustande, etwa ein gemeinsames Grillen, eine AG-Fahrt nach Budapest und eine Abschiedsfeier, für die sich auch ein paar Richter Zeit nahmen.

Ein Standortvorteil sind auch die kurzen Wege: Landgericht, Amtsgericht, Notariat sowie Staatsanwaltschaft sind in unmittelbarer Nachbarschaft. Auch das Landratsamt ist bequem zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar.

Highlights unserer Referendarzeit waren ein Tag im Ausbildungszentrum der Polizei, die Möglichkeit, eine komplette Nachtschicht mitzumachen (Freitage und Samstage sind sehr empfehlenswert, da passiert einiges.), der Trinkversuch, ein Besuch in der Justizvollzugsanstalt Adelsheim (Damenwelt merke: Lange Schlabberklamotten sind ausnahmsweise besser als Minirock.) und selbstverständlich unsere AG-Fahrt nach Budapest.

Wer sich also damit anfreunden kann, das Nachtleben andernorts zu genießen, nicht im selben Ort zu wohnen und zu arbeiten und nicht aus welchen Gründen auch immer einen "großen Namen" in seinem Lebenslauf benötigt, für den ist Mosbach ein echter Geheimtipp.

Katharina K.

Als ich die Zuweisung für das Referendariat beim Landgericht in Mosbach bekam, war ich zugegebener Maßen etwas enttäuscht, weil ich eigentlich vor hatte, Referendariat in einer Großstadt zu verbringen. Es hat sich dann aber schnell herausgestellt, dass das Referendariat in Mosbach viele Vorteile bietet. Was mir besonders gut gefallen hat war, dass die Gruppe der Referendare dort sehr klein ist. So kann man sich am Unterricht intensiv beteiligen und es bleibt auch viel Zeit für die Beantwortung der Fragen einzelner Referendare. Insgesamt war die Atmosphäre bei Gericht sehr nett und familiär, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass man innerhalb kurzer Zeit fast alle Gesichter kennt und mit den meisten über die Stationen sowie den Protokoll- oder Sitzungsdienst auch Kontakt hat. Außerdem wird die Arbeit der Referendare von den Staatsanwälten in Mosbach sehr geschätzt und diese nehmen sich im Gegenzug viel Zeit für die Besprechung von Fällen für den Sitzungsdienst. Mein Fazit: Wenn man als Referendar persönliche Betreuung wünscht und Lust hat, sich selbst einzubringen, ist Mosbach ein gute Wahl. Dafür lohnt es sich auch, entweder nach Mosbach zu ziehen oder ein bis zwei Mal in der Woche nach Mosbach zu pendeln.

Landgerichte im Überblick